Musik

 

„Ich tanze, weil Musik spielt“
(Joaquin Amenabar)

“Those who can’t dance say the music is no good.”
(Jamaikanisches Sprichwort)

Einen allgemeingültigen Maßstab für gute Tanzmusik gibt es selbstverständlich nicht,
nur Menschen, die ihn für sich und andere reklamieren wollen.
Missionare, zu denen ich nicht gehören möchte, was mir aber nicht immer gelingt.
Was das Wort „tanzbar“ bedeuten soll, hat sich mir nie erschlossen.
Als Tänzer ist Tango für mich am ehesten meditative Erotik, Umarmung im Gehen,
getanzte Kommunikation. Das finde ich im Salontango und der entsprechenden
traditionellen Musik aus der Blütezeit des Tango.
Wenn ich tanzen gehe, bin ich also Traditionalist und will am liebsten nur klassische
Tangos hören, lege Wert auf Verlässlichkeit und lehne musikalische Experimente ab,
die stören mich nur beim Kuscheln 😉 Ich bevorzuge vertraute, bekannte Musik,
Hits sind nicht umsonst Hits. Mit anderen Worten:
Wenn die Tangoszene nur aus Typen wie mir bestehen würde, gäbe es sie nicht.

Raimund Allebrand hat in seiner köstlichen „Psychopathologie des Tangolebens“
die verschiedenen Typen von Tänzern und ihre Motivationen dargestellt,
vom Profi über den Tangosportler bis zum narzisstischen Selbstdarsteller.
Jeder dieser Typen hat wahrscheinlich andere Vorstellungen von guter Tanzmusik,
und etlichen Milongabesuchern ist sie auch schlicht egal.
An diesem Punkt sollte sich ein Tango DJ überlegen, wie er sich stilistisch positionieren will.
– Wer es jedem rechtmachen will, wird nie seinen eigenen Stil finden.
– Wer kompromisslos seinen eigenen Vorlieben folgt, braucht eine ausreichend grosse Fangemeinde.

Das ist in etwa die Bandbreite, ich persönlich wünsche mir eher letzteres 😉
Idealerweise deckt sich die Intention des DJs, einen Mix abzuliefern,
auf den er selber gerne tanzen würde, mit den Erwartungen des Publikums.
Wie auch immer, es sollte auf alle Fälle eine solide Basis vorhanden sein,
ein abwechslungsreiches Repertoire an klassischen Tangos und die Fähigkeit,
es der wechselnden Stimmungslage der Tänzer anzupassen.
Die Beherrschung der Technik und bewährter Gestaltungsmittel
wie die Präsentation mittels Tandas und Cortinas ist natürlich Voraussetzung.
Wer es nicht schafft, mit den besten Tangoperlen aus der Fülle der Goldenen Ära
eine harmonische, facettenreiche Kette mit spannenden Kontrasten zu knüpfen,
wird die Tänzer mit Beimischung von Neo- und Nontango erst recht verärgern.

Eine Analogie zum Tanzunterricht sei gestattet:
Die passende Auswahl an traditionellen Tangos ist wie Gleichgewicht, entspannte Aufrichtung,
Gehen in der Umarmung, harmonische, rücksichtsvolle Kommunikation
als Paar im Tanzfluss mit anderen und der Musik.
Das genügt völlig für ein erfüllendes Tangoerlebnis.
Non- und Neotango sind wie Bühnenfiguren, Sentadas, Turnierboleos, Sprünge etc.
Sie können Spass machen, wenn der Kontext stimmt.
Ohne Beherrschung der Basics wirken sie lächerlich bis ärgerlich.