Technik

 

Jede Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied
Eine Binsenweisheit auch bei dem Bemühen, den Tänzern bestmögliche Klangqualität
zu bieten. Die Lebendigkeit, mit der die begnadeten und bis heute unerreichten
Musiker der berühmten Orchester Emotionen transportierten, gilt es möglichst
unverfälscht zu präsentieren. Gehen wir bei der Suche nach dem Flaschenhals
systematisch vor, sozusagen vom Ausgangsmaterial bis zur Raumakustik,
wird schnell klar, daß es gerade diese beiden Faktoren sind, die ein Tango DJ
nur schwer beeinflussen kann.

Ausgangsmaterial
Was einen Tango DJ sehr schmerzen kann, ist die lausige Qualität einiger der schönsten Titel,
z.B. mit dem wundervollen Duo Troilo/Fiorentino. Viele Originalaufnahmen sind unwiderbringlich
verloren, nicht milongafähig oder lagern unentdeckt auf Dachböden oder den Archiven
der Musikindustrie.
Und wer kennt nicht das seltsame Gefühl, was einen beim Anhören selbst qualitativ guter
Tonträger manchmal beschleicht – irgendetwas stimmt da nicht mit der Tonhöhe
oder der Geschwindigkeit. Gute Beispiele sind gedopte D’Arienzo valses, „Negra Maria“
mit Demare/Miranda auf Helium – ebenso „El Vals de Nochebuena“ mit De Angelis/
Mickymaus Dante usw.
Es ist müßig, darüber zu spekulieren, warum wer was wann manipuliert hat,
oder warum die Lagerhalle von RCA Argentina abgefackelt wurde –
ich möchte nur darauf hinweisen, daß die Bezeichnung „Original“ manchmal ziemlich
zweifelhaft ist und ich es als legitim ansehe, offensichtliche Manipulationen und starke
Störgeräusche behutsam zu korrigieren.
Wer mehr darüber wissen möchte, dem bieten die Seiten von Keith Elshaw Gelegenheit.

Raumakustik
Selbst wenn alle anderen Glieder der besagten Kette tadellos sind, so gibt es Räume,
die einfach nicht optimal zu beschallen sind, Abhilfe kann oft nur ein aufwendiges
Lautsprechersystem oder unkonventionelle Positionierung der Boxen schaffen –
Maßnahmen, die oft zu teuer sind oder aus anderen Gründen nicht realisiert werden.
Damit müssen die Tänzer dann halt leben können.
Das schlimmste, was ich bisher erlebt habe und leider immer wieder mal erleben muss ist,
daß „DJs“ z.B lieber zeitgenössische Orchester mit der Begründung auflegen,
die Akustik wäre besser als bei den alten kratzigen Sachen!

DJ-Ausrüstung
In den seltensten Fällen schleppt ein DJ eine komplette Anlage mit sich herum,
das ist meistens Sache des Veranstalters. Das bedeutet aber, sich möglichst gründlich
mit der Bedienung von CD-Spielern, Verstärkern, Mischpulten und der Verkabelung
vertraut zu machen und nötige Korrekturen rechtzeitig vorzunehmen.
Idealerweise ist der DJ wie eine Tänzerin, die wie im Schlaf tanzt –
er hat die Technik souverän im Griff und kann sich ganz auf sein Publikum und seine
kreative Präsentation konzentrieren.
Die Palette der Abspielgeräte reicht vom stilechten Grammophon nebst Schellackscheiben
bis hin zum Computer mit High-End Soundkarten. Was das Grammophon angeht,
kann ich nicht mitreden, ich besitze keins – was ich bisher auf dem Gebiet gehört habe,
hat mich auch nicht recht überzeugt – Nostalgie kann sehr schaurig klingen.
Plattenspieler und Tapedecks lassen wir auch mal beiseite, obwohl sie lange Zeit
hauptsächliches Handwerkszeug waren – sie sind einfach zu unkomfortabel.
Daher beschränke ich mich hier auf die am häufigsten
genutzten Abspielgeräte, CD-Player und Computer.