Aufbau einer Datenbank

 

Weniger ist mehr
Das gilt natürlich nicht für die Datenbank im Kopf, dort kann gar nicht genug gespeichert sein.
Ich beneide die Menschen mit einem DJ-spezifischen Kataloggedächtnis, die die hohe Kunst
des On-the-fly/Out-of-the-brain-Auflegens beherrschen, ich gehöre leider nicht dazu.
Also heißt es, die Festplatte zu füttern und ordentlich Buch zu führen.
Und beim Füttern empfehle ich: Wirklich nur die Guten! Ein typischer Anfängerfehler besteht darin,
die Tänzer mit Raritäten, seltenen Versionen, Schrägem und Schrillem beeindrucken zu wollen.
Seltenes und Schräges gibt es immer wieder zu entdecken, aber es ist wie mit allen Tangos, von denen
es etwa 20.000-40.000 geben soll: Nur die wenigsten taugen etwas, und die gilt es herauszufinden,
immer wieder zu hören und konsequent wieder von der Platte zu verbannen, wenn sie doch nicht so
toll sind, wie sie vielleicht mal schienen.
Mein Geschmack hat sich im Laufe der Jahre mehrmals gewandelt und verändert sich ständig,
ich weiss, wie schwer es ist, sich von den persönlichen Hits von gestern zu trennen!
Mein Repertoire umfasst ca. 1500 klassische Titel plus rund 300 alternative Stücke
und ca. 200 Cortinas. Das ist zuviel. 😉 Ich schmeisse immer wieder mal was runter, aber dafür
entdecke ich auch gelegentlich neue Perlen oder bekanntes in besserer Tonqualität.
Ich habe mir fest vorgenommen, auf ca. 800 Klassiker zu reduzieren, dafür aber intensiver
durchzuhören und immer wieder konsequent auszumisten und aufzufrischen. Ganz bestimmt…

Nichts geht über ein geordnetes Chaos
Nach dem Befüllen geht es an’s Sortieren, Klassifizieren, Differenzieren – alles Dinge von denen
ich keine Ahnung habe. Auch nach all den Jahren nicht. Ich weiss nur, daß jeder DJ sein eigenes
System hat, und was für die eine wunderbar funktioniert, kann für den anderen das totale
Durcheinander bedeuten.
Mein System besteht zunächst darin, alle Dateinamen nach folgendem Schema zu vereinheitlichen:
Interpret Sänger – Titel.mp3, calo – tierra querida.mp3 bedeutet demnach ein Instrumentalstück,
calo iriarte – margo.mp3 ein Gesangsstück von Calo. Alle anderen Informationen schreibe ich in den Tag.
Klingt einfach, ist es auch, aber:
calo- margo.mp3 / caló – margo.mp3 / calo -margo.mp3 und calo-margo.mp3 kann z.B. bewirken,
daß ein Abspielprogramm sich weigert, die Datei wiederzugeben. Absolut penible, einheitliche Schreibweise
der Dateinamen ist leider dringend nötig und es will von Anfang an gut überlegt sein, wie beschriftet
werden soll, um sich in seinen Ordnern zurechtzufinden. Genauso einheitlich müssen die Tags mit
mp3tag geschrieben werden. Wer will, kann per Kommentar sogar komplette Liedtexte unterbringen.
Orchester, Titel, Sänger(bei mediamonkey unter Dateiname dargestellt), Genre und Länge sind zwingend.
Aufnahmejahr und Albumtitel wünschenswert. Bei Tempo in BPM muss mp3tag passen,
und in das Kommentarfeld kommt ja schon was anderes 😉
Ab hier wird, falls gewünscht, mit mediamonkey und seinen benutzerdefinierten Kommentarfeldern
weitergetaggt. Damit wären wir bei der schwierigsten und meistdikutierten Beschriftung –
den Charakter eines Tangos zu kategorisieren. Ich habe dies bisher unterlassen, mediamonkeys
vordefinierte „moods“ helfen auch nicht wirklich weiter. Melancholisch, getragen, dramatisch, fröhlich,
romantisch, lyrisch, energetisch, rhythmisch, antreibend, komplex, verspielt, beruhigend, lustig –
wer mit diesen und ähnlichen Bewertungen sein Repertoire schlüssig kategorisieren kann – Glückwunsch!
Ich habe es irgendwann mal aufgegeben.
Der nächste Schritt besteht darin, jedes Orchester in mehrere m3u-Playlisten einzuordnen,
da mir die Archivunterteilung von mediamonkey zu unübersichtlich ist. Ich habe z.B. die 3 Playlisten
donato, donatovals, donatomilonga. (Kleinschreibung beabsichtigt). Insgesamt habe ich dann
75 Orchesterplaylisten in den Playlistenordner von mediamonkey importiert (siehe Bild auf dieser Seite) –
das ist mein Ausgangsmaterial für die Tandas. Die weitere Arbeit entspricht für mich ein wenig
dem Auflegen mit CDs, die nur Hits enthalten und schon in Genres vorsortiert sind.

Klingt etwas umständlich, ist es wohl auch – für mich jedenfalls funktioniert dieses System im Moment
zufriedenstellend, auch wenn ich immer nach Verbesserungen suche.
Als ich Remi kennenlernte, hatte er ca. 2000 Titel auf der Platte, und als Microsoftgegner nur entsprechend
schlichte Abspielsoftware unter Linux. Seine Datenbank bestand aus einem einfachen Ordnersystem mit
einer Verzeichnistiefe von etwa 3 Ebenen – alles weitere hatte er im Kopf.
Wie wir wissen, hat dieses System überaus wunderbare Abende hervorgebracht!